2026-03-23 · 9 min Lesezeit

Wer hat das Rauchen erfunden? Geschichte

Die Geschichte des Rauchens: Vom indigenen Amerika bis zur modernen Zigarette. Wer hat das Rauchen erfunden?

Zuletzt aktualisiert: März 2026

Die Geschichte des Rauchens: Vom Ritual zur Massensucht

Tabak begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden — doch die Zigarette, wie wir sie kennen, ist kaum 150 Jahre alt. Wie wurde aus einer heiligen Pflanze der indigenen Völker Amerikas die weltweit häufigste vermeidbare Todesursache? Ein Blick auf die faszinierende und erschreckende Geschichte des Rauchens.

Wer hat das Rauchen erfunden?

Das Rauchen wurde nicht „erfunden“ — es entwickelte sich über Jahrtausende als rituelles und spirituelles Element bei den indigenen Völkern Amerikas. Archäologische Funde belegen, dass bereits um 5000 v. Chr. in den Hochkulturen Mittel- und Südamerikas Tabak angepflanzt und bei Zeremonien geraucht wurde.

Die Maya nutzten Tabak als Opfergabe an die Götter, die Azteken rauchten Schilfrohrpfeifen bei religiösen Ritualen. Für diese Völker war Tabak eine heilige Pflanze — kein Genussmittel, sondern ein Werkzeug der Kommunikation mit der Geisterwelt.

Als Christoph Kolumbus 1492 die Neue Welt erreichte, beobachtete seine Crew, wie die Einheimischen getrocknete Tabakblätter rauchten. Kolumbus’ Reisetagebuch enthält die erste europäische Erwähnung des Tabakkonsums. Sein Begleiter Rodrigo de Jerez brachte die Gewohnheit nach Spanien zurück — und wurde dafür von der Inquisition inhaftiert, weil man glaubte, nur der Teufel könne einen Menschen Rauch ausstoßen lassen.

Geschichte des Tabaks in Europa

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich Tabak rasant über ganz Europa — zunächst als vermeintliches Heilmittel. Der französische Diplomat Jean Nicot (nach dem das Nikotin benannt ist) schickte 1560 Tabakpulver an Königin Katharina von Medici und empfahl es gegen Migräne. Ärzte verschrieben Tabak gegen Zahnschmerzen, Pest und sogar Krebs.

Im 17. Jahrhundert wandelte sich das Bild: Tabak wurde zum Luxusgut der Oberschicht. In England rauchte man Tonpfeifen, in Frankreich schnupfte man Tabakpulver aus kunstvollen Dosen, und in den Niederlanden blühte der Tabakhandel. Könige und Adlige besteuerten Tabak — nicht um das Rauchen einzudämmen, sondern um die Staatskassen zu füllen.

Gleichzeitig gab es frühe Gegner: König James I. von England veröffentlichte 1604 seine Schrift „A Counterblaste to Tobacco“, in der er das Rauchen als „widerlich für das Auge, hassenswert für die Nase, schädlich für das Gehirn und gefährlich für die Lunge“ bezeichnete. Er sollte in fast allen Punkten recht behalten — 350 Jahre bevor die Wissenschaft es bewies.

Vom Luxusgut zur Massenware

Der entscheidende Wendepunkt kam 1881, als James Bonsack die erste automatische Zigarettenmaschine patentierte. Sie konnte 200 Zigaretten pro Minute herstellen — mehr als ein erfahrener Handroller an einem ganzen Tag. Tabak war plötzlich billig, einheitlich und überall verfügbar.

Die beiden Weltkriege beschleunigten die Verbreitung dramatisch. Im Ersten Weltkrieg wurden Zigaretten in die Rationen der Soldaten aufgenommen — General Pershing sagte angeblich: „Ihr fragt mich, was wir brauchen, um diesen Krieg zu gewinnen? Ich antworte: Tabak, genauso wie Kugeln.“ Im Zweiten Weltkrieg waren Zigaretten Teil der Standardverpflegung aller Armeen und dienten sogar als inoffizielle Währung.

In den 1920er und 1930er Jahren entdeckte die Tabakindustrie eine neue Zielgruppe: Frauen. Kampagnen wie Edward Bernays’ berühmte „Torches of Freedom“-Aktion von 1929 verknüpften das Rauchen mit Emanzipation und Freiheit. Hollywood-Stars rauchten in jedem Film, und bis Mitte des 20. Jahrhunderts rauchte etwa die Hälfte aller Erwachsenen in den Industrieländern.

Gesundheitswarnungen und Verbote

Die Wende kam in den 1950er Jahren. 1950 veröffentlichten Richard Doll und Austin Bradford Hill ihre bahnbrechende Studie, die den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs nachwies. 1964 erklärte der US-Surgeon-General offiziell: Rauchen verursacht Krebs.

Die Tabakindustrie reagierte mit jahrzehntelanger Desinformation. Interne Dokumente — später durch Gerichtsverfahren öffentlich geworden — zeigten, dass die Konzerne seit den 1950er Jahren von den Gesundheitsgefahren wussten und sie systematisch verschleierten. Sie finanzierten Scheinstudien, kauften Wissenschaftler und warben weiterhin aggressiv.

Erst ab den 1990er Jahren griffen Regierungen weltweit durch: Werbeverbote, Warnhinweise auf Verpackungen, Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten. 2003 verabschiedete die WHO das Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle (FCTC) — der erste internationale Gesundheitsvertrag. Heute sind in über 180 Ländern Rauchverbote in Kraft.

Die Bilanz heute

Die Zahlen zeigen Fortschritte: In Deutschland sank der Anteil der Raucher von über 35 % in den 1990er Jahren auf rund 24 % heute. Weltweit sterben aber nach wie vor jährlich über 8 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums — davon 1,3 Millionen durch Passivrauchen.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat Rauchen erfunden?

Das Rauchen wurde nicht von einer einzelnen Person erfunden. Es entwickelte sich vor über 7.000 Jahren als spirituelle Praxis bei den indigenen Völkern Amerikas. Die Maya und Azteken nutzten Tabak bei religiösen Zeremonien. Nach Europa kam der Tabak durch die Entdeckungsreisen von Christoph Kolumbus ab 1492.

Seit wann gibt es Zigaretten?

Handgedrehte Zigaretten existierten bereits im 17. Jahrhundert. Die industrielle Massenproduktion begann 1881 mit der Erfindung der automatischen Zigarettenmaschine durch James Bonsack. Die beiden Weltkriege (1914–1918 und 1939–1945) machten die Zigarette dann zum weltweiten Massenprodukt.

Wann wusste man, dass Rauchen schädlich ist?

Erste Warnungen gab es bereits 1604 durch König James I. von England. Der wissenschaftliche Beweis wurde 1950 durch die Studie von Doll und Hill erbracht, die den direkten Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs nachwies. 1964 bestätigte der US-Surgeon-General offiziell, dass Rauchen Krebs verursacht.

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Quellen: Doll, R. & Hill, A.B. (1950): „Smoking and Carcinoma of the Lung“, British Medical Journal. U.S. Surgeon General (1964): „Smoking and Health“. WHO Framework Convention on Tobacco Control (FCTC), 2003. Proctor, R.N. (2012): „Golden Holocaust: Origins of the Cigarette Catastrophe“, University of California Press. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Tabakatlas Deutschland.